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Dienstag 15. Juni 2004, 11:41 Uhr

Mitten in Dublin in Bellas Bordell - Das Tacheles feiert den Bloomsday

Berlin (ddp-bln). James Joyce hätte vermutlich seine helle Freude. Es gibt Guinness, Cancan und Irish Stew. Schauplatz ist die Oranienburger Straße mit Trambahnen, Huren, Cafes und dem morbiden Charme der Tacheles-Ruine: Berlin feiert am Mittwoch (16. Juni) den Bloomsday.

Gewidmet ist der Tag dem legendären «Ulysses»-Romanhelden Leopold Bloom - und ein bisschen wohl auch dessen «Erfinder» Joyce. Bloom verlebt am 16. Juni 1904 einen ganz gewöhnlichen Tag und eine exzessive Nacht in Dublin, eine Odyssee eben, mit Besuchen in zahllosen Pubs und einer Visite in Bellas Bordell. Nach 18 Stunden landet er im heimischen Bett, wo Blooms Ehefrau Molly schließlich mehrere zehntausend Wörter lang über Gott und die Welt und ihr eigenes Liebesleben referiert.

«Ulysses» galt lange Zeit als Sensation - als gesellschaftskritische ebenso wie als obszöne. Die englische Schriftstellerin Virginia Woolf soll das später hoch gelobte Werk als das eines «Pickel ausdrückenden Studenten» bezeichnet haben. Sein Siegeszug um die Welt war dennoch nicht aufzuhalten: Schon 1927, fünf Jahre nach Veröffentlichung des Romans, zogen die ersten Fans in Dublin auf «Pilgerreise» zu den Stationen des Buches - vor allem zu den Pubs. Es war die Stunde der Joyceianer, und der Bloomsday war geboren.

Seit vier Jahren wird der Tag auch in Berlin gefeiert. Initiatorin ist die Schauspielerin Julia Lindig. Sie hat vor gut zehn Jahren in Lissabon die Molly Bloom gespielt - das Thema hat sie nach eigenem Bekunden seither nicht mehr losgelassen. Für den diesjährigen Bloomsday hat sie das Tacheles in Mitte ausgewählt. Am 16., 18. und 19. Juni gibt es dort jeweils um 19.00 Uhr ein literarisches Fest im denkmalgeschützten Goldenen Saal. In diesem Jahr haben die Berliner und ihre Gäste Gelegenheit, Leopold Bloom in Bellas Bordell zu begegnen.

Der Saal wird sich - unter anderem mit Hilfe Berliner Schauspieler - in die Dubliner Welt der Nacht im Jahr 1904 verwandeln, versprechen die Initiatoren vom Bloomsday-Team. Das Datum für den Tag, der im Roman auf mehr als 1000 Seiten beschrieben wird, hat Joyce nicht willkürlich gewählt. Am 16. Juni 1904 soll der Romancier in Dublin zum ersten Mal das Zimmermädchen Nora Barnacle geküsst haben. Die tief gläubige Katholikin blieb ein Leben lang die Frau an seiner Seite. (Karten für die Veranstaltung gibt es unter 030/787 14 719)

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